Wer über eine Berufsunfähigkeitsversicherung nachdenkt, sollte folgende Punkte beachten:

 

Jeder vierte Deutsche wird vor dem Rentenalter berufsunfähig, die Tendenz ist steigend. Eine Versicherung, die dann für Ihren Lebensunterhalt sorgt, ist unverzichtbar. Häufig verweigern die BU-Versicherungen im Leistungsfall die versprochene Rentenzahlung. Die folgenden Punkte sollten Sie bei einem Abschluss Ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung beachten.

Die gesetzliche Rentenversicherung reicht bei weitem nicht aus

2015 bezogen gerade mal 1,8 Millionen erkrankte ehemalige Berufstätige eine Erwerbsminderungsrente, wobei der Rentendurchschnitt lediglich bei 730 € lag. Wenn man bedenkt, dass jeder vierte Beschäftigte berufsunfähig wird, sind 1,8 Millionen eine bescheidene Zahl und selbst für die Personen, die eine Erwerbsminderungsrente gegenüber der gesetzlichen Rentenversicherung durchsetzen konnten, reicht der Rentenbetrag zum Leben bei weitem nicht aus.

In frühen Lebensjahren abschließen

Der Beitrag einer BU-Versicherung errechnet sich aus dem Alter des Versicherten, der Laufzeit, der Rentenhöhe, dem objektiven Risiko wie Beruf und Gesundheitszustand und natürlich den tarifspezifischen jeweiligen Leistungsversprechungen. Grundsätzlich gilt für alle Anbieter einer BU, je früher desto besser. Wer jung ist, ist meistens gesünder, relevante Vorerkrankungen sind weniger vorhanden. Der Verdienst ist zwar niedriger oder wie bei Auszubildenden und Studenten noch gar nicht gegeben und damit die mögliche abzuschließende Rente gering, aber mit Hilfe von Optionsrechten kann ein Vertrag über die gesamte Lebensarbeitszeit bei bestimmten Ereignissen wie Karriereschritten, Gehaltserhöhungen, Heirat, oder der Geburt eines Kindes, ohne erneute Gesundheitsprüfungen angepasst werden.

Versichert ist der zuletzt ausgeübte Beruf

Wer einmal eine private Berufsunfähigkeitsversicherung hat, kann bei den meisten Versicherungen auch seinen Tätigkeitsschwerpunkt verändern, ohne Rücksicht auf ein höheres Berufsrisiko. Wenn Sie zuerst im Büro waren und später als Rennfahrer arbeiten, ist das für Ihren BU-Vertrag nicht relevant. Ihr zuletzt ausgeübter Beruf ist versichert. Sollten Sie als Rennfahrer vom ersten Tag an eine Berufsunfähigkeitsversicherung suchen, dürfte das nur mit größten Schwierigkeiten und auf jeden Fall recht teuer zu bewerkstelligen sein.

Die monatliche Rente muss passen

Nach oben hin gibt es eine Begrenzung durch das Bereicherungsverbot. Mehr als 70 bis 80 Prozent vom Netto-Einkommen ist bei den meisten Versicherungen nicht drin. Berücksichtigen kann man allerdings noch die eigenen Beiträge zu den gesetzlichen Sozialversicherungen. So lässt sich meistens das volle Nettogehalt absichern. Die Prämienhöhe bei einer Rente von 2000 € liegt dann je nach individueller Vertragsgestaltung zwischen 60 und 100 € im Monat. Für manch einen ein stolzer Betrag, aber wer hier spart, bereut es spätestens im Leistungsfall, wenn sich eine größere Versorgungslücke als erwartet auftut.

Richtige Beantwortung der Gesundheitsfragen ist existenziell

Eine vorvertragliche Anzeigepflichtverletzung ist der Hauptgrund einer Leistungsverweigerung der privaten Berufsunfähigkeitsversicherungen. Wer hier auffällt, muss mit einer einseitigen Vertragsaufhebung rechnen. Einen neuen Vertrag zu bekommen ist schwierig. Die Versicherungen sind da nachtragend. Lassen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse ein Journal Ihrer Behandlungen der letzten fünf Jahre erstellen. Bei psychosomatischen Aspekten interessiert sich mancher Anbieter sogar für die letzten zehn Jahre. Nur mit solch einer Liste können Sie sicher gehen, dass Ihre Gesundheitsangaben nicht falsch oder lückenhaft sind, auch wenn es zu Antragserschwernissen kommen kann. Risikozuschläge wegen bestimmter Vorerkrankungen können nach gesundheitlicher Besserung im Laufe der Vertragslaufzeit wieder gestrichen oder zumindest verringert werden.

Schließen Sie eine Rentendynamik mit ab

Aufgrund der Inflation ist Ihre vor vielen Jahren abgeschlossene BU-Rente heute eindeutig weniger wert. Eine von Anfang an einbezogene Rentendynamik wirkt diesem Problem entgegen. Die jährliche Erhöhung kann meistens auf zwischen 2 und 5 Prozent vereinbart werden. Eine Gesundheitsprüfung ist bei dieser Art von Leistungserhöhungen nicht nötig. Die Rente kann sich damit in 20 Jahren mehr als verdoppeln, auch bei vorliegenden Erkrankungen. Natürlich steigt zusätzlich der Versicherungsbeitrag proportional jedes Jahr an, aber die Dynamik kann bei den meisten Versicherungsgesellschaften zwischenzeitlich ausgesetzt werden und ein endgültiger Dynamikverzicht ist bei allen Versicherungen grundsätzlich machbar. Die Rentendynamik stellt sich also für Sie ohne jegliches Risiko dar und sollte damit stets mitbeantragt werden.

Nur Verträge mit zeitgemäßen Versicherungsbedingungen dürfen abgeschlossen werden

Der Verzicht auf die abstrakte Verweisung seitens der Versicherung ist ein Muss. Sonst erhalten Sie Ihre Rente nach erfolgreicher Leistungsprüfung erst, wenn Sie neben Ihrem zuletzt ausgeübten Beruf auch keine vergleichbare Tätigkeit mehr ausüben können. Dass der Versicherte auch tatsächlich eine verwiesene Tätigkeit findet, ist sein Risiko. Im schlimmsten Fall wären Sie dann verwiesen und arbeitslos und die BU wäre leistungsfrei.

Eine Berufsunfähigkeitsleistung schon ab längerer Arbeitsunfähigkeit (Krankschreibung) ist wünschenswert, weil nur so ein lückenloser Übergang zwischen den Leistungen der Krankenkasse im Fall der Arbeitsunfähigkeit und den Leistungen der Berufsunfähigkeitsversicherung gesichert ist. Fehlt diese Klausel, werden Krankenkasse und BU-Versicherung ihre Zuständigkeiten auf Kosten des Versicherten hin- und herschieben, was eine Leistungszusage über Jahre verzögern kann.

Der Prognosezeitraum darf maximal sechs Monate dauern

Eine Berufsunfähigkeit bzw. eine Arbeitsunfähigkeit muss maximal sechs Monate ohne Unterbrechung vorliegen, damit der Leistungsfall eintritt. Eine Vorhersage dieser sechs Monate durch den behandelnden Arzt kann schon ausreichen, auch wenn er sie am Anfang der Behandlung schon erstellt hat. Altverträge gehen da manchmal von Prognosezeiträumen von drei Jahren aus. Für den Leistungsfall kaum darstellbar.

Eine Rechtsschutzversicherung ist ein Muss

Eine Rechtsschutzversicherung sollte spätestens mit der Beantragung einer BU-Versicherung abgeschlossen werden. Eine private Rechtsschutzversicherung, die Vertragsrechtsschutz im allgemeinen Bereich abdeckt, reicht hier aus und kostet ca. 100 € im Jahr. Eine Leistungszusage wird durch Ihre Berufsunfähigkeitsversicherung nur ungern erstellt. Wer als Versicherung nicht zahlen will, egal wie eindeutig Ihr Leistungsbegehren ist, wird das letztendlich nur dann tun, wenn ein Gericht den Leistungsfall eindeutig feststellt. Sie werden in letzter Konsequenz das Gericht anrufen. So eine Klage kostet Geld. Schnell ist ein fünfstelliger Betrag an Prozesskosten erreicht. Ein Risiko, das gerade bei einem krankheitsbedingten Berufsausfall meistens nicht mehr finanziell gestemmt werden kann.