Weltweit belegt Deutschland im Vergleich der Altersvorsorgesysteme Platz 13

 

 

Der Melbourne Mercer Global Pension Index (MMGPI) hat zum zehnten Mal in Folge die Altersvorsorgesysteme von insgesamt 34 Ländern verglichen. Kernproblem in den Versorgungssystemen ist die demographische Veränderung. Die Menschen leben länger, der Anteil alter Menschen zu jungen Menschen wird größer, immer weniger Einzahler in die sozialen Versicherungssysteme müssen immer mehr Rentner absichern. Im Systemvergleich der MMGPI stehen einerseits die Angemessenheit des Rentensystems für den einzelnen Rentner, auf der anderen Seite die Nachhaltigkeit für die Wirtschaftssysteme der einzelnen Länder. Ein weiterer Aspekt ist die Integrität im Bereich der privaten Vorsorge.

Die relevanten Subindexe sind Angemessenheit, Nachhaltigkeit und Integrität

Angemessenheit wird als wichtigster Subindex in der Bewertung der Untersuchung mit 40 Prozent gewichtet. Untersucht werden hier die gegebenen Versorgungsleitungen und wichtige Gestaltungsmerkmale der Altersversorgungsmodelle sowie steuerliche Anreize und die Sparquote der privaten Haushalte.

Nachhaltigkeit mit einer Gewichtung von 35 Prozent untersucht das gegenwärtige System auf zukünftige Überlebenschancen. Berücksichtigt werden Indikatoren wie Finanzierung, Rückdeckung, Demographie, Staatsverschuldung und reales Wirtschaftswachstum. Integrität beschäftigt sich mit der Vertrauenswürdigkeit und der Beständigkeit des privaten Vorsorgesystems. Staatliche Aufsicht, Risikostreuung und Kommunikation sowie Governance gehen mit einer Gewichtung von 25 Prozent in die Untersuchung ein.

Dänemark und die Niederlande sind ganz vorne

Von insgesamt 100 zu vergebenden Punkten liegen die Niederlande und Dänemark mit 80,3 und 80,2 Punkten auf Rang eins und zwei. Sie sind damit im Hinblick auf die demographische Entwicklung am besten aufgestellt. Argentinien stellt mit 39,2 Punkten das Schlusslicht dar, USA liegt zusammen mit Saudi-Arabien mit 58,8 und 58,9 unter dem gesamten Durchschnitt aller beteiligten Länder von 60,5 Prozent. Der untere Durchschnitt gilt übrigens auch für Spanien, Italien, Polen und Österreich, die sich nur in den 50iger Punkten befinden. Das vergreiste Japan erhält lediglich 48,2 Punkte. Schweden und die Schweiz stehen mit 72,5 und 67,6 deutlich besser im Ranking. Die Wirtschaftsmächte China und Südkorea sowie Entwicklungsländer wie Indien und Mexiko liegen in den schwachen 40igern.

Deutschland insgesamt auf Rang 13 und bei der Angemessenheit auf Platz 1

Das deutsche System liegt mit 66,8 Punkten auf Platz 13. Das ist immerhin eine Verbesserung zum letzten Ranking aus dem Jahr 2017 von 3,3 Punkten. Beim Sub-Index Angemessenheit erreicht das deutsche Altersvorsorgesystem mit 79,9 Punkten sogar den ersten Platz, was nach Ansicht einiger Experten auf Veränderungen von Algorithmen und die Aufnahme eines neuen Indikators bezüglich der Verschuldung privater Haushalte zurückzuführen ist. Da der vorhergehende Wert für die Angemessenheit aus dem Jahr 2017 auch schon bei guten 76,5 Punkten lag, ist Deutschland mit dem sogenannten „drei Säulen Modell“ theoretisch gut aufgestellt. Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz von Anfang 2018 wurden viele positive Aspekte unseres Altersvorsorgesystems nun auch im Gesetz verbrieft.

Beim Subindex Nachhaltigkeit ist Deutschland abgeschlagen

Lediglich mit 44,9 Punkten ist Deutschland hier im unteren Mittelfeld. Die demographischen Veränderungen und die wachsende Gig Economy bedeuten für unser Altersvorsorgesystem sehr viel Stress. Viele Menschen suchen die Selbstständigkeit, Erwerbsbiografien sind eher wechselhaft als stetig. All das muss in Zukunft mitberücksichtigt werden.

Das neue Betriebsrentenstärkungsgesetz ist in der Praxis leider noch nicht angekommen

Wichtig wäre eine zügige Umsetzung der neuen Gesetzgebung. Die Gefahr einer potentiellen Rentenlücke ist immer noch mehr als gegeben. Helfen kann hier nur der intensive Dialog zwischen Staat, Arbeitgeber und Arbeitnehmer und eine intensive Unterstützung von qualifizierten Beratern und Spezialisten, die die Theorie auch in die Praxis umsetzen können.

Die Umsetzung sollte die Ergänzung des umlagefinanzierten Systems durch ein Kapitaldeckungsverfahren beinhalten. Eine Anhebung der Mindestrenten gerade bei Rentnern aus Niedriglohnbereichen und eine Erhöhung der Erwerbsquote wäre von Nöten. Dabei die Kommunikation zwischen allen Beteiligten zu verbessern. Durch das neue Betriebsrentenstärkungsgesetz könnte die Teilnehmerquote in der betrieblichen Altersversorgung deutlich erhöht werden. Insgesamt sollte die Angemessenheit nicht auf Kosten der Nachhaltigkeit weiter verstärkt werden.

Betriebsrentenstärkungsgesetz