Studie: Deutsche sollten die Berufsunfähigkeit fürchten

 

Nur jeder fünfte Deutsche ist gegen eine drohende Berufsunfähigkeit versichert. Statistisch erwischt es allerdings jeden Vierten. Sind wir ein Land der Hasardeure oder verdrängen irrationale Ängste die echten Probleme?

Angststudie der R+V Versicherungen

Die R+V hat zu diesem Thema gerade eine Studie abgeliefert: „Die Ängste der Deutschen 2018“. Dabei sind viele Ängste eher irrational. Auf dem ersten Platz der R+V Studie liegt mit 69 Prozent die ziemlich unklare Angst der Deutschen vor einer gefährlicheren Welt durch US- Präsident Trump und seine Politik. Auf dem zweiten Rang mit 63 Prozent folgen die Überforderung von Behörden durch Asylbewerber und Spannungen durch Zuzug von Ausländern. Die Angst, im Alter als Pflegefall zu enden, beschäftigt nur 52 Prozent der Befragten und landet somit auf Platz zehn der R+V Liste. Dabei ist die Anzahl der Asylanträge eindeutig zurückgegangen und immer mehr Asylzugänger gehen einer Beschäftigung nach. Das spüren auch die Sozialversicherungsträger, denn die freuen sich über jeden neuen Beitragszahler. Eine klare Entwicklung gegen den Angsttrend. Uns sollten die Asylanträge freuen und keine Angst machen.

Ängste sind häufig irrational

Laut Psychologen haben wir Menschen die größte Angst vor dem Unbekannten. Ein Schutzmechanismus, der evolutionär gegeben ist. Eine gewisse Furcht vor Feinden oder wilden Tieren erhöhte die Aufmerksamkeit. Da diese Urängste zum größten Teil weggefallen sind, werden viele unserer Ängste immer irrationaler. Wir haben Angst im Flugzeug, den Straßenverkehr sehen wir als ungefährlicher an, obwohl klare Unfallstatistiken das Gegenteil beweisen. Jede dritte Ehe wird in Deutschland geschieden aber nur 18 Prozent der R+V Befragten haben Angst vor dem Zerbrechen ihrer Partnerschaft und viele Menschen haben eher eine Handyversicherung als eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Die Ängste der Deutschen scheinen somit paradox zu sein und lassen sich nur durch die Angst vor dem Unbekannten erklären und: was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.

Die BU, ein furchteinflössendes Etwas

Die Berufsunfähigkeitsversicherung kann auch nur so ein unbekanntes Wesen sein. Obwohl die Gefahr, eine Berufsunfähigkeit zu erleiden, bei 25 Prozent liegt, sind erst 1/5 der Deutschen gegen dieses Risiko versichert. Scheinbar liegt es aber nicht nur an der Angst vor dem Unbekannten, denn in der R+V Statistik findet sich das BU-Problem nicht im Ranking wieder. Vielleicht fühlen sich auch die meisten Menschen einfach nur überfordert bei so einem komplexen Thema, das auch noch mit Fachbegriffen und Gerichtsurteilen gespickt ist nach dem Motto, „Gefahr erkannt, aber nicht gebannt“.

BU kostet viel Geld

Erschwerend kommt sicher hinzu, dass eine BU auch eine „ganze Stange Geld“ kostet. Geld für ein abstraktes Gut. Da sind ein neues Handy oder die Versicherung für ein solches schon näher zum Greifen. Wenn man bedenkt, wie wenig Selbstständige freiwillig in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen und sich trotzdem einer fehlenden Rente im Alter bewußt sind, ist vielleicht auch in der Sparsamkeit der Deutschen und weniger in der Angst der Hund begraben. Mit der Besonderheit der abstrakten Produkte hat die Versicherungswirtschaft vom ersten Tag an zu kämpfen gehabt. In der Betriebs- und Versicherungswirtschaftslehre wurde schon so manche Diplomarbeit über das Thema geschrieben.

Wenn Pflicht wird, ist alles gut

Die richtige Antwort für uns zaudernde Deutsche ist scheinbar eine Pflichtversicherung. Jedes KFZ ist in Deutschland versichert, genauso wie alle Leute eine Krankenversicherung haben. Da redet keiner mehr drüber, weil diese Pflicht von oben so vorgeschrieben wird.  Selbst beim Thema BU gibt es schon kleine, wenn auch stille Verpflichtungen. Ohne eine LOL (Loss of License, die BU-Versicherung für Piloten) lassen die etablierten Fluggesellschaften keinen Piloten mehr ins Cockpit. Vielleicht sollte man ohne BU auch nicht mehr zu Arbeit kommen dürfen.