Stresstest für Lebensversicherungen

34 Lebensversicherungen unterliegen in Deutschland einer besonders intensiven Aufsicht

Für Außenstehende war es schon immer sehr kompliziert, sich ein objektives Bild über die Lebensversicherungen zu machen. Das Institut für Finanzwirtschaft der Hochschule Ludwigshafen am Rhein hat sich nunmehr im fünften Jahr mit einem Bilanz- und Unternehmenscheck der 12 wichtigsten Lebensversicherungen in Deutschland beschäftigt. Dieses Jahr wurde auch erstmals ein 5-Jahres-Vergleich durch das Institut vorgenommen, der im Wesentlichen die Ergebnisse über die Jahre bestätigt.

1.000 Punkte erreichte keine

Maximal konnten die einzelnen Lebensversicherungen 1.000 Bewertungspunkte erreichen. Die Unterschiede der betriebswirtschaftlichen Ergebnisse sind groß. Mit 750 Punkten erreicht die Allianz den besten Platz. Dass das so ist und in Zukunft auch so bleiben wird, liegt weiterhin an den Bewertungsreserven der Allianz.

Risikoergebnis wird immer wichtiger

Das Institut für Finanzwirtschaft analysierte u.a. die Entwicklung der Rohüberschuss-Margen, Ertragskraft, Solvabilitätsquote und verstärkt das Risikoergebnis. Dieses ist aufgrund der Niedrigzinspolitik wichtiger als früher. Auch die Verbraucherquote, die neben der finanziellen Stabilität auch die Beteiligung der Versicherungsnehmer an Rohüberschüssen beinhaltet, wurde berücksichtigt.

Nur 3 von 12

Im Ergebnis konnten von den 12 Lebensversicherungen gerade mal drei betriebswirtschaftlich überzeugen. Neben der führenden Allianz kam die Zurich Deutscher Herold auf den dritten Platz. Dicht hinter der Allianz findet sich die genossenschaftlich strukturierte R+V auf dem zweiten Platz wieder.

„Run off“ bildet das Schlusslicht

Die Generali, die in diesem Jahr in den sogenannten Run off Markt verkauft worden ist, bekommt mit 350 Punkten eine ziemliche Klatsche und gilt als betriebswirtschaftlich schwach. Die HDI Leben ist aufgrund ihrer schwachen Solvabilität noch etwas besser mit 400 Punkten als ausreichend zu bezeichnen. Die Debeka konnte sich nach dem letzten Platz in 2017 leicht verbessern und gilt dieses Jahr als betriebswirtschaftlich steigerungsfähig. Nach Aussage des Finanzministeriums gibt es aus der jährlichen Prognoserechnung der einzelnen Versicherungsunternehmen einen klaren Trend zu mittel- oder langfristigen finanziellen Schwierigkeiten. Betroffen sind hier insgesamt 34 Lebensversicherungen, die jetzt schon einer intensivierten Aufsicht durch die Finanzaufsicht BaFin unterstehen.

Versicherer und Finanzministerium sehen das alles entspannt

Die BaFin, die die Entwicklung der betroffenen Gesellschaften mit Rat und Tat begleitet, schraubt die Anforderungen an die Lebensversicherungen zwar immer höher, gewährt aber auch eine Übergangsfrist bis 2031, in der sich die einzelnen Versicherungen an ein verbessertes Risikomanagement und neue Berichtspflichten gewöhnen können. Bis dahin gibt es Erleichterungen in Form von Übergangsregelungen.

Die Ausrichtung der Kapitalanlagen ist das Alpha und Omega

Die anhaltende Niedrigzinspolitik verlangt nach besonderen Kapitalanlagefähigkeiten. Die Lebensversicherungen müssen breit aufgestellt in alle zulässigen Anlageklassen investieren. Auch hier hat die Allianz die Nase zur Zeit noch vorne.

Alle beschriebenen Merkmale sind harte finanzielle Aspekte. Wer zum Beispiel eine Berufsunfähigkeitsversicherung BU sucht, der sollte daneben unbedingt auch die weichen Faktoren wie die Kundenfreundlichkeit berücksichtigen.