Statistik zum Leistungsverhalten von Berufsunfähigkeitsversicherungen

 

GDV untermauert Leistungsquote im Faktencheck von Frontal 21

Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, kurz GdV, veröffentlicht regelmäßig Statistiken zur Berufsunfähigkeitsversicherung. Besonders interessant sind solche Zahlen, wenn sie das Leistungsverhalten der BU-Versicherungen widerspiegeln, wie erst kürzlich geschehen in der Sendung Frontal 21.

Psyche ist die BU-Ursache Nummer eins

Am Anfang der Statistik stehen die Schadensmeldungen bzw. die versicherten Erkrankungen und damit die Gründe, warum der Versicherte seinen Leistungsantrag gestellt hat. Nach den aktuellsten Statistiken des GdV aus dem Jahr 2017 liegt bei BU-versicherten Frauen mit 30 Prozent die Psyche als der Hauptverursacher einer Berufsunfähigkeit vor. Bei den Männern ist der Wert mit 22 Prozent etwas niedriger, stellt aber auch den häufigsten BU-Grund dar. Der hc consulting AG liegen neuere Erkenntnisse vor, die verdeutlichen, dass der Trend zur psychischen Erkrankung deutlich weiter ansteigen wird. Krebserkrankungen stellen mit 19 Prozent bei den Frauen und mit 14 Prozent bei den Männern die zweithäufigste Ursache einer Berufsunfähigkeit dar. Der Bewegungsapparat liegt als Grund einer BU bei den Frauen bei 14 Prozent und bei den Männern bei 21 Prozent. Durch Folgen eines Unfalls werden 4 Prozent der Frauen und 11 Prozent der Männer berufsunfähig und Erkrankungen des Nervensystems liegen bei Frauen und Männer mit 8 Prozent gleich auf. Alle übrigen Gründe verursachen bei 19 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer eine BU.

Die meisten BU-Anträge werden ohne Probleme angenommen

Im Jahr 2017 wurden nach GdV-Statistik 75 Prozent aller gestellten Anträge auf Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung ohne Erschwernis angenommen. Bei nur 15 Prozent der Anträge erfolgte ein Risikozuschlag oder ein Ausschluss. Lediglich 4 Prozent der eingereichten Anträge zur Berufsunfähigkeitsversicherung wurden durch die jeweilige Versicherung abgelehnt und bei 5 Prozent der Anträge folgte bei Nachfragen keine Rückmeldung des Kunden mehr.

Die Zahlen sind sehr positiv

Zu regelmäßigem Erstaunen führen die vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft veröffentlichen Leistungsquote. Die soll 2017 ganze 70 Prozent betragen haben. Mit anderen Worten: Von 100 gestellten Leistungsanträgen wurden 70 durch die Berufsunfähigkeitsversicherungen anerkannt. Bei der Bewertung der Bearbeitung der Leistungsanträge geht der GdV sogar noch positiver an die Sache heran, die Berufsunfähigkeitsversicherungen sollen durchschnittlich nach 13 Tagen, vorausgesetzt dass alle relevanten Unterlagen zur Prüfung vorliegen, über das endgültige Leistungsanerkenntnis entscheiden. Die Praxis sieht da doch anders aus? Übrigens werde nach GdV nur in 6 Prozent der Fälle ein externer Gutachter zur Leistungsfindung eingesetzt. Geht man aber von 26 Prozent durchschnittlicher Leistungsanerkenntnisse bei Frauen und Männern im Bereich der Psyche aus, und unterstellt dabei die gängige Praxis bei psychischen Erkrankungen einen externen Gutachter zu beauftragen, lassen sich beispielsweise die 6 Prozent Gutachteranteil nicht wirklich erklären. Die Zahl muss deutlich höher sein.

Vom Analysehaus Franke & Bornberg gab es zur Ermittlung der Leistungsquote nach GdV ebenfalls Kritik. Das Analysehaus kommt lediglich auf eine Leistungsquote von 65 Prozent im Jahr 2017. Man hält dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft vor, dass Leistungsanträge, die vom Antragsteller wieder zurückgezogen wurden oder aufgrund von fehlender Mitwirkung des Versicherten durch die BU-Versicherung irgendwann als unerledigt abgelegt wurden, keine Berücksichtigung in der GdV-Statistik gefunden haben. Franke & Bornberg spricht demnach nur von einer Leistungsquote von unter 65 Prozent. Wir sehen das allerdings noch etwas negativer.

Allgemeine Bedingungen für die Berufsunfahigkeits-Versicherung