Ist eine private Berufsunfähigkeitsversicherung zu teuer?

Ein leiser Appell an Arbeitnehmer ohne BU

Wer sein Einkommen durch die eigene Arbeitsleistung erwirtschaftet und dauerhaft erkrankt, verdient kein Geld mehr. Bei pflichtversicherten Angestellten sorgte früher die Rentenversicherung für das nötige Auskommen. Heute ist nur noch die Option für eine bescheidene Erwerbsunfähigkeitsrente geblieben, die selbst nach der Bewilligung den Absturz ins finanzielle und damit soziale Aus kaum verhindern kann.

Helfen kann eine private Berufsunfähigkeitsversicherung. In vielen Haushalten ist das Thema schon angekommen. Laut GDV, dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft, gibt es mittlerweile 17 Millionen Versicherungsverträge zur Absicherung einer drohenden Berufsunfähigkeit in Deutschland. Das sind 30 % der erwerbstätigen Haushalte. Was ist mit dem Rest?

Nicht jeder ist versicherbar. Menschen mit einer medizinischen Vorgeschichte haben hier Schwierigkeiten an einen BU-Vertrag zu kommen. Psychische Erkrankungen sind ein k.o.- Kriterium. Genau diese Erkrankungen führen aber am häufigsten, nämlich in 26 % aller krankheitsbedingten Arbeitsausfälle zur dauerhaften Berufsunfähigkeit. In Deutschland sind jedes Jahr fast 28 % der erwachsenen Bevölkerung von einer psychischen Erkrankung betroffen. Für diese Personen gibt es zur Zeit keine zufriedenstellende Lösung.

Neben den psychischen Vorerkrankungen spielen natürlich auch andere Erkrankungen eine negative Rolle bei der Suche nach einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Alles was chronisch ist, ist praktisch nicht versicherbar.

Bliebe noch ein Rest von 20 bis 30 % der arbeitenden Menschen, die sich scheinbar noch nicht versichert haben, die es aber könnten. Wäre da nicht die hohe Versicherungsprämie. Kritiker weisen gerne auf Risikoberufe hin, die besonders hohe Prämien zahlen. Klar, wer sich als Industriekletterer versichern möchte, zahlt mehr als ein kaufmännischer Sachbearbeiter, wobei Hochrisikoberufe teilweise firmenintern abgesichert werden.

Für die meisten Versicherten sind die Beitragszahlungen moderat. Für die Versicherung dagegen kann so ein Leistungsfall teuer werden: Ein 40jähriger Mann mit einem monatlichen Beitrag von 80 Euro und einer versicherten Berufsunfähigkeitsrente von 2.000 Euro im Monat kann im Leistungsfall 27 Jahre Leistungen beziehen. Der Wert des versicherten Risikos liegt in diesem Fall bei 648.000 Euro.

Also auf die „teure BU“ verzichten und lieber selbst für den Fall der Fälle etwas auf die hohe Kante legen, ist mehr als eine Milchmädchenrechnung. Das Risiko „BU“ kann der einzelne ohne Vermögen nicht selber tragen oder alleine ansparen.

Es gibt eine Antwort auf die aufgeführten Probleme: Man muss sich dann versichern, wenn man noch nicht zu alt ist. Zum einen ist der Versicherungsbeitrag abhängig vom Eintrittsalter des Versicherten, zum anderen sind jüngere Menschen in der Regel mit weniger Vorerkrankungen belastet.

Fazit: Eine BU-Versicherung ist für den durchschnittlichen Erwerbstätigen eigentlich unverzichtbar. Die Beiträge sind in Relation zum versicherten Risiko moderat. Je früher man sich für eine Berufsunfähigkeitsversicherung entscheidet, desto besser.