Ist die Lebensversicherung am Ende?

Trotz eines Rückgangs der neu abgeschlossenen Verträge von fast 70 Prozent in den Jahren von 2010 bis 2016 setzen viele Kunden innerhalb der Lebensversicherung auf die Kapitallebensversicherung als Altersvorsorge.

Die übrigen Bereiche der Lebensversicherung wie die Rentenversicherungen, Risikoversicherungen, fondsgebundene Policen und Kollektivversicherungen (z.B.: Berufsunfähigkeitsversicherungen) erfreuen sich dagegen wachsender Beliebtheit.


 

Die „Lebensversicherung“ muss differenziert betrachtet werden:

Die Renditen in der Kapitallebensversicherung sind heute sehr niedrig. Riester-Verträge sind beim Kunden nicht mehr gefragt und einzelne Versicherungsgesellschaften liebäugeln mit einem möglichen Run-off. Für die Medien ist die Sache damit klar. Die Lebensversicherung ist in einer großen endgültigen Krise. Wer die Lebensversicherungsbranche genauer betrachtet, muss allerdings zu einem anderen Ergebnis kommen.

 

Der Bereich der Lebensversicherung besteht aus fünf einzelnen Angebotsbereichen:

  1. Kapitallebensversicherung

Der in Deutschland allseits beliebte Klassiker war die Kapitallebensversicherung. Sprechen der Volksmund oder auch die Medien von der Lebensversicherung, ist meistens diese Versicherung gemeint, und genau diese Kapitallebensversicherung hat in den letzten Jahren stark abgenommen. Waren im Jahr 2010 noch über 30 Millionen Policen im Bestand, verfügte die Branche in 2016 nur noch über 19,5 Millionen Verträge. Durch die Niedrigzinsphase und damit verbundenen geringen Garantiezinsen der Kapitalverträge wurden Ablaufsummen weniger attraktiv. Dazu kamen steuerliche Veränderungen. Dennoch ist immer ein eingeschworener Kundenstamm interessiert, der auf Sicherheit und Planbarkeit ihrer Altersvorsorge abzielt. So entschieden sich 2016 für die Kapitallebensversicherung 168.000 Kunden.

  1. Private Rentenversicherungen

Bei der privaten Rentenversicherung, die natürlich auch mit einem niedrigen Rechnungszins zu kämpfen hat, gab es in demselben Betrachtungszeitraum 2010-2016 sogar eine Steigerung von 20 %. Von einer Krise kann in diesem Segment also keine Rede sein.

  1. Risikoversicherungen

In der Risikoversicherung waren 2010 ca. 7,5 Millionen Verträge vorhanden, im Jahr 2016 mehr als 8,9 Millionen.

  1. Fondsgebundene Policen

Bei fondsgebundenen Versicherungen befanden sich 2010 ungefähr 12,24 Millionen und 2016 ca. 13,38 Millionen Policen im Bestand der deutschen Lebensversicherungsgesellschaften.

  1. Kollektivversicherungen mit Berufsunfähigkeitsversicherung (BU)

In dem Bereich der Kollektivversicherungen erfreut sich die Branche über ähnliche Steigerungen oder zumindest wie ausgerechnet in der Berufsunfähigkeitsversicherung von 2010 bis 2016 über konstante Zahlen im Bestand, wobei seit 2016 die Berufsunfähigkeitsversicherung immer mehr im Fokus der Kunden liegt. Die Sicherung der Arbeitskraft durch die private Versicherungswirtschaft ist durch das Fehlen einer staatlichen Institution (die gesetzliche Rentenversicherung bietet nur noch eine unzureichende Erwerbsminderungsrente) schon bei Studenten, Auszubildenden und Berufsanfängern ein wichtiges Thema. Das liegt auch am Internet.

Abnahme von stornierten Verträgen und Beschwerden:

Dass die Lebensversicherungsbranche weiterhin gefragt ist, lässt sich auch in der Abnahme der Stornierungen erkennen. Lag die sogenannte Stornoquote in 2008 noch bei 4 Prozent, waren es im Jahr 2016 nur noch 2,82. Die Beschwerden der Kunden bei der zuständigen Aufsichtsbehörde BaFin über Verträge in der Lebensversicherung ist im selben Betrachtungszeitraum um 70 % zurückgegangen. Bei einer Branche, welche am Ende ist, sieht das in der Regel anders aus.

Fazit:

Das Ende der Lebensversicherung ist eine Behauptung, die bei differenzierter Betrachtungsweise nicht zu halten ist. Das Interesse an den fünf Angebotsbereichen der Lebensversicherung hat sich mittlerweile verschoben, insgesamt ist die Lebensversicherungsbranche wichtiger denn je. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist für die arbeitende Bevölkerung eine Existenzsicherung, auf die keiner verzichten darf.