Immer häufiger erkranken Arbeitnehmer an psychischen Beschwerden

 

In Deutschland erleiden immer mehr Arbeitnehmer eine psychische Erkrankung. Statistisch sind am häufigsten die Frauen davon betroffen. Die Linke-Fraktion hat zu diesem Thema die Bundesregierung befragt. Die Antwort der Bundesregierung ist weniger schön. In den letzten 10 Jahren ist die Anzahl der Krankentage erheblich gestiegen. Im Jahr 2008 fielen fast 50 Millionen Arbeitstage wegen einer psychischen Erkrankung aus. Nach nur 8 Jahren in 2016 hat sich die Zahl auf über 109 Millionen Krankentage mit psychosomatischem Hintergrund mehr als verdoppelt.

Die psychische Erkrankung nimmt überproportional zu

Der Anteil der Krankentage mit psychosomatischem Hintergrund in Relation zu allen übrigen Krankentagen ist im selben Zeitraum von 10,9 % auf 16,2 % gestiegen. Die psychische Erkrankung breitet sich damit um mehr als 50 % schneller aus, als alle übrigen Krankheiten.

Frauen sind mehr davon betroffen als Männer

Berufstätige Frauen leiden häufiger unter psychosomatischen Störungen als ihre männlichen Kollegen. Allein in der Altersgruppe der Frauen zwischen 50 bis 54 Jahren wurden im Jahr 2016 zehn Millionen Krankentage wegen psychischer Beschwerden gezählt. Bei den berufstätigen Männern waren es aus psychischen Gründen nur sechs Millionen Krankentage.

Betrachtet man die Erhebung über alle Altersgruppen hinweg, fehlten die Frauen aus psychischen Gründen im Jahr 2016 an rund 59 Millionen Arbeitstagen. Bei den Männern waren es dagegen im selben Betrachtungszeitraum 38,6 Millionen Fehltage.

Arbeitgeber und Krankenkassen müssen für die Krankentage aufkommen

In den ersten sechs Wochen einer Krankschreibung liegt das Kostenrisiko in Form einer Lohnfortzahlung allein beim Arbeitgeber. Danach sind die Krankenversicherungen gefordert. Bei den gesetzlichen Krankenversicherungen wird bis zu 18 Monaten ein Krankengeld gewährt. Danach wird der Patient ausgesteuert. Geld kann es jetzt nur noch aus der gesetzlichen Rentenversicherung in Form einer Erwerbsminderungsrente geben, die mit 30 Prozent des letzten Nettoeinkommens niedrig ausfällt und auch nur derjenige erhält, der weniger als 3 Stunden am Tag gesundheitsbedingt arbeiten kann. Besser gestellt sind da die Arbeitnehmer, die zusätzlich über eine private Berufsunfähigkeitsversicherung verfügen. Hier gibt es schon Geld, wenn man seinen zuletzt ausgeübten Beruf nur noch zur Hälfte ausüben kann.

Krankentagegeld der PKV ist sinnvoll

Neben der Lohnfortzahlung der gesetzlichen Krankenkassen zahlen die privaten Krankenversicherungen PKV ein Krankentagegeld. Voraussetzung dafür ist, dass der Angestellte freiwillig in der privaten Krankenversicherung versichert ist oder über eine private Zusatzversicherung in Form eines Krankentagegeldes verfügt. Die Zahlungen der privaten Krankenversicherung sind übrigens nicht nur auf 18 Monate befristet. Solange der Versicherte krankgeschrieben ist (arbeitsunfähig), muss die PKV leisten.

Selbst die Erwerbsminderungsrente der gesetzlichen Rentenversicherung ist stärker betroffen. Im Jahr 2016 bekamen erstmals 75.000 Versicherte eine Erwerbsminderungsrente aufgrund einer psychosomatischen Erkrankung von der gesetzlichen Rentenversicherung. Vor gut zehn Jahren belief sich diese Zahl noch auf 54.000 Versicherte.