Deutsche Lebensversicherungen atmen auf

Insgesamt können 14 Milliarden Euro Zinszusatzreserven allein für 2018 eingespart werden

Einzelne Lebensversicherungen, der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GdV), der Bund der Versicherten und die hc consulting AG haben Mitte des Jahres die Änderung der Algorithmen für die Zinszusatzreserve gefordert.

Die Zinszusatzreserve ist der Teil der Deckungsrückstellung in der Lebensversicherung, der für künftige Garantiezinsverpflichtungen in Zeiten geringer Kapitalmarktzinsen zurückgestellt wird. Im Fall einer anhaltenden Niedrigzinsphase wie seit den letzten Jahren, ergibt sich durch einen dann weiter fallenden Referenzzins ein hoher Nachreservierungsbedarf, der die deutschen Lebensversicherungsunternehmen aber letztendlich weiter schwächen wird.

Die Rechengrundlagen für diese finanzmathematische Formel beziehen sich auf die Marktzinsgegebenheiten aus dem Jahr 2011. Damals gehörten Zinssätze zwischen zwei und drei Prozent im Gegensatz zu heute zum unteren Ende der Fahnenstange. Bis dato sind in der Branche 60 Milliarden Euro Zinszusatzreserve angehäuft worden. Würde es mit den jetzigen Rechenformeln so weitergehen, hätte die Branche bis zum Jahr 2013 an die 180 Milliarden Euro Zinszusatzreserve zu verbuchen. Die Lasten für so einen Kraftakt gehen nicht nur auf Kosten der Lebensversicherungsunternehmen, sondern auch auf die der Versicherten. Abhilfe kann hier nur die Bundesregierung schaffen, um das Tempo beim Aufbau der Zinszusatzreserve einzubremsen.

Korridormethode ist das neue Zauberwort

Und die Bundesregierung hat nun reagiert. Noch in diesem Jahr soll die Zinszusatzreserve mit der sogenannten Korridormethode ermittelt werden, was man im aktuellen Referenzentwurf des Bundesfinanzministeriums nachlesen kann. Entwickelt hat den neuen Algorithmus die Deutsche Aktuarvereinigung in Abstimmung mit der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin).

Deutsche Lebensversicherungen können um zwei Drittel einsparen

Die deutschen Lebensversicherungen würden mit der entwickelten Korridormethode erstmals aufatmen können. Ließe die Bundesregierung alles beim Alten, müsste die Branche in diesem Jahr weitere 22 Milliarden Euro reservieren, bei den Nullzinsrunden realistisch nicht machbar. Nach den neuen Berechnungen sind es dann nur noch 8 Milliarden Zinszusatzreserve, die die Branche stemmen müsste.

Wenn denn nun alles so von der Bundesregierung abgesegnet werden sollte, gäbe es noch in diesem laufenden Geschäftsjahr eine Entlastung für die deutschen Lebensversicherungsgesellschaften und natürlich auch für deren Kunden von satten 14 Milliarden Euro, und die deutschen Lebensversicherungsunternehmen müssten weniger Umschichtungen in ihren Anleiheportfolios betreiben, denn nur so wären die 22 Milliarden Euro zu bewerkstelligen.