Beitragserhöhungen in der Berufsunfähigkeitsversicherung, wie ist das möglich?

Eigentlich nicht so einfach, denn der Gesetzgeber regelt im Versicherungsvertragsgesetz (VVG) in § 163 das Recht der Lebensversicherungen (und zu der Sparte gehören auch die Berufsunfähigkeitsversicherungen), möglicherweise ihre Beiträge zu erhöhen. Die Versicherung muss dafür aber einige Grundvoraussetzungen erfüllen:

Der erhöhte Leistungsaufwand des Versicherers darf nicht nur vorübergehend sein, er darf nicht schon in der Vergangenheit vorhersehbar gewesen sein, die neue Prämie muss angemessen sein und ein Treuhänder der BaFin muss das alles noch bestätigen.

Letztendlich ist so eine Beitragserhöhung mit relativ viel Aufwand verbunden, wäre da nicht die Möglichkeit eines Brutto- und Nettobeitrags: Die Versicherung errechnet einen großzügig kalkulierten Bruttobeitrag der wegen des § 163 auch gar nicht erhöht werden soll, den aber auch kein Mensch zahlen möchte, weil der Beitrag einfach zu teuer ist. Gezahlt werden soll nur der Nettobeitrag, der aus Überschüssen der Risikokalkulation und Kapitalmarkterträgen niedrig gehalten werden kann. Stellt sich nun raus, dass die Kalkulation etwas zu blauäugig war, kann der Nettobeitrag in Richtung Bruttobeitrag unkompliziert ohne viele Auflagen erhöht werden.

Vorsicht ist bei den BU-Verträgen geboten, die bei Abschluss des Vertrages eine deutliche bzw. große Differenz zwischen Netto und Brutto haben: verschiedene BU-Anbieter arbeiten mit diesem Kalkulationsverfahren. Hier werden Berufsrisiken relativ indifferent betrachtet. Die Nettoprämien sind gerade für Personen ab einer 50-prozentigen kaufmännischen Tätigkeit interessant (50 % reichen aus für eine 100 % Einstufung als risikobegünstigter Büroangestellter). Ende 2017 wurden vereinzelt BU-Beiträge um 40 % angehoben.